Kiew unter Beschuss: Feuer in der Kyiv-Pechersk-Lavra, 140.000 ohne Strom
Klitschko meldete 10 Verletzte, drei in kritischem Zustand. Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale - UNESCO-Stätte - brannte. Obolon: Gebäude zwischen 3. und 4. Stock zerstört.
In der Nacht des 15. Juni wachte Kiew wieder von Explosionen auf. Der schmerzlichste Treffer traf nicht irgendein Haus - sondern die Kyiv-Pechersk-Lavra, eines der wichtigsten spirituellen und kulturellen Symbole der Ukraine und ein UNESCO-Weltkulturerbe.
Bürgermeister Vitali Klitschko meldete einen Brand auf dem Lavra-Gelände gegen 01:48. Flammen ergriffen das Dach der Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale. Nach vorläufigen Daten war es ein direkter Treffer. Auf dem Klostergelände wurden Ikonen, Antiminsen und andere Heiligtümer dringend evakuiert - bevor das Feuer die Hauptwerte erreichte.
Klitschko sagte, 10 Menschen wurden verletzt, drei in kritischem Zustand. Später stiegen die Zahlen beim Räumen der Trümmer - aber am Morgen war das Bild klar: Die Stadt wurde massiv angegriffen, mit Dutzenden Drohnen und ballistischen Waffen.
Schäden nach Bezirken:
- Pechersk - Treffer in ein fünfstöckiges Wohnhaus
- Obolonskyi - Einschlag in ein Gebäude zwischen dem dritten und vierten Stock, Struktur teilweise zerstört
- Solomianskyi - neunstöckiges Gebäude beschädigt
- Podilskyi - auch dort Treffer verzeichnet
140.000 Bewohner im nördlichen Teil der Stadt blieben ohne Strom - Stromleitungen wurden beschädigt.
Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung Timur Tkachenko nannte den Angriff auf die Lavra einen Treffer «ins Herz eines der größten christlichen Heiligtümer». In Europa werden bereits Vergleiche mit der Zerstörung von Notre-Dame gezogen - als kulturelle Tragödie, nicht nur militärische.
Die Lavra wurde 1051 gegründet. Sie wurde schon früher getroffen - aber jeder neue Brand auf diesem Boden trifft mehr als nur Kiew. Die Ukraine ruft UNESCO und internationale Strukturen zur Reaktion auf.
Während Retter das Dach der Kathedrale bekämpfen, sitzen Bewohner in Schutzräumen, und der Norden der Stadt lebt ohne Strom. Und das sind «Friedensgespräche» im Hintergrund eines Krieges, über den in anderen Hauptstädten geredet wird.